re:view
Nach fast einer Woche fasse ich mal meine Eindrücke zur re:publica 2012 zusammen, die Anfang Mai in Berlin stattfand. Es war ja erst meine zweite re:publica und ich war sofort begeistert von der location – der Station Berlin. Einerseits finde ich neue Nutzungsweisen von alten Gebäuden meist gut, andererseits war es supereinfach, zu den Sessions zu gehen – im letzten Jahr war das doch eine ganz schöne Rennerei von Kalkscheune zum Friedrichstadtpalast und zurück. Dies war auch in Sachen Barrierefreiheit sicherlich vorteilhaft. Ich hatte den Eindruck, dass dieses Mal doch recht viel umgesetzt worden ist (das kann sehr gut bei Christiane und bei Julia nachgelesen werden). Auch gab es im letzten Jahr keinen richtigen zentralen Platz, um sich zu treffen. Das war jetzt wirklich gut gelöst: Der sogenannte Affenfelsen bot jede Menge Platz zum Sitzen und war gleichzeitig sehr zentral. Alexander hat es schön gesagt: Es war wie an einer Campus-Uni: “Gehst du gleich noch zu Soziologie? Ich will diesmal zum Bildungsteorieseminar” (Seminare sind mit Sessionräumen auszutauschen) und anschließend trifft man sich wieder. So kam es letztlich auch dazu, dass ich nicht nur viele Menschen getroffen habe, die ich bereits von Angesicht zu Angesicht kannte, sondern auch solche, die ich bereits JAHRELANG online kenne und noch nie gesehen habe. Das Irre an solchen Treffen ist dann, dass man wirklich viel voneinander weiß, sich direkt unterhalten kann: über Ereignisse, über gemeinsame Bekannte usw. Dazu beigetragen hat auch das re:sushi – ein geekiges Treffen von etwa 30 Leuten zu gepflegtem Sushi oder natürlich das re:mett (an dem ich in diesem Jahr leider nicht teilgenommen habe). Bleiben wir – bevor es inhaltlich wird – noch ein wenig bei den Rahmenbedingungen. Das ausgedruckte Internet war ganz groß! Jeder Tweet mit dem Hashtag #rp12 wurde ausgedruckt und an die ACT!ON-Wand tapeziert!
Und auch inhaltlich hat es mir gut gefallen. Ich war in den meisten Sessions, die ich mir vorher ausgesucht hatte – in einigen Fällen habe ich mich aber noch umorientiert. Sofort der erste Vortrag war großartig: Kixka Nebraska über digitale Identitätskonstruktion im Web – ein Thema, das mich auch wissenschaftlich interessiert. Zusammenfassen lassen sich ihre Ausführungen mit einem Zitat über eine in den USA durchgeführte Studie in der Fachpresse: “Who you are in Facebook ist probably pretty much who you are“. Es bestehen Zusammenhänge zwischen Identität, Reputation und Vertrauen, wobei Kixka betonte, dass Identität prismatisch sei. In eine ähnliche Richtung ging der sowohl unterhaltsame, aber dennoch gehaltvolle Talk von Felix Schwenzel, der festhielt, dass Tätigkeiten im öffentlicher Raum gleichzusetzen sind mit den Tätigkeiten im virtuellen Raum und dass Realität und Virtualität keine Gegensätze seien. Interessant hier auch die Gedanken von Andrew Keen.
Einen ganz anderen Aspekt beleuchtet die Session “Die Technologie von James Bond und Captain Kirk in den Händen von Schülern“ - in der es um Nutzungsvarianten digitaler Devices im Unterrichts ging. Inhaltlich war das für mich nicht unbedingt etwas Neues, dennoch hat mich dieses dort gezeigte Video sehr beeindruckt (und nachdenklich gemacht). “Using technology to make education free” war eine ähnliche Session, die aber ein wenig darunter litt, dass die Referentin krank war und der Vortrag ziemlich spontan übernommen worden ist. Auch hier ein Video, das die Inhalte ein wenig erklärt.
Weniger wissenschaftlich, dafür für mich als Tatort-Freundin eine Bereicherung war das Preview des kommenden Tatortsmit Ulrike Folkerts, der so konzipiert ist, dass zwar der eigentliche Fall inhaltlich abgeschlossen sein wird, es soll aber auch Handlungsstränge geben, die weiter ermittelt werden können und genau das soll das Publikum in einer Art Online-Spiel machen. Leider konnten die Verantwortlichen gar nicht so viel dazu sagen, weil sie bereits in einer anderen Session über das Konzept gesprochen hatten und auf Fragen nicht vorbereitet waren. Ebenfalls mit TV-Formaten beschäftigte sich die Session ROTFUNK! SCHWARZFUNK! BÖSE MEDIEN! von Deef Pirmasens (“quer”) und Simone Stoffers (“extra 3″). Dort ging es um die im Internet veröffentlichten Kommentare zu Satiresendungen und den Umgang der Sender mit diesem Phänomen. Interessant, mal ein wenig hinter die Fassade schauen zu dürfen. Ich hätte beispielsweise nicht damit gerechnet, dass das 60+-Publikum einen so hohen Anteil an den Zuschauerzahlen hat. Kurz reingeschaut habe ich auch in den Fail-Award zum Webvideopreis – was höchst unterhaltend war.
Zwei große Talks habe ich auch noch mitgenommen: Zum Einen eine Talkrunde zu Anonymous! – da ging es um Internetaktionismus und Netzfreiheit und zum Anderen das Interview mit Regierungssprecher Steffen Seibert, der über seine Twitternutzung und überhaupt social media bei der Bundesregierung sprach. Er war höchst souverän und konnte sich insgesamt gut verkaufen.
Alles in allem eine lohnende Veranstaltung mit hohem Geek&Flausch-Faktor, mit interessanten Sessions und Talks, mit Bekannten und Freunden, einer tollen Location und viel Spaß drumherum. Nächstes Jahr werde ich wohl wieder dabei sein.













