Was Suppe mit social media zu tun hat
Gunter Dueck habe ich bei der letzten re:publica gehört und verfolge seine Beiträge seitdem. Diesen hier finde ich sehr gelungen.
Gunter Dueck habe ich bei der letzten re:publica gehört und verfolge seine Beiträge seitdem. Diesen hier finde ich sehr gelungen.
Wie schnell ein Jahr gehen kann! Die Zeit meiner Lehrstuhlvertretung in Hagen ist vorbei und ich bin ab sofort wieder in Duisburg tätig. Wahrscheinlich ist es normal, dass man mit einem lachenden und einem weindenden Auge zurückgeht. Ich habe die Zeit in Hagen sehr genossen – nicht nur, weil ich hier wohne. In diesem Jahr konnte ich Erfahrungen sammeln, für die ich dankbar bin. Einerseits gehört dazu, eben einen Lehrstuhl im Gang zu halten, sich zu kümmern um Lehrveranstaltungen, Gremien, Akkreditierung eines Studiengangs, Neustrukturierung eines Moduls, Erstellung einer Klausur usw. und andererseits auch Verantwortung für MitarbeiterInnen haben, Widersprüche von Studierenden bearbeiten, Unstimmigkeiten des Lehrgebiets innerhalb der Fakultät besprechen, Etat verwalten, organisatorische Dinge klären. Ich habe in diesem Jahr vermutlich zwei Dinge gelernt: Erstens, dass eine gewisse Gelassenheit nicht schaden kann – ich habe mehrfach Energie und Geduld in Sachverhalte investiert, die sich am Ende in Luft aufgelöst haben – und zweitens: Entscheidungen zu treffen, dann der abgelehnten Alternative nicht mehr hinterherzutrauern und am Ende zu der Entscheidung zu stehen. Ich bin froh über dieses Jahr, und vor allem über das Team, das mich unterstützt hat.
Ja, und auf der anderen Seite freue ich mich, wieder in Duisburg zu sein und neue Dinge anzugehen. Ich freue mich auf die KollegInnen, ich freue mich auf Projekte und Forschung und auf das Schreiben und all diese Dinge, zu denen ich an der FernUni nicht gekommen bin. Ich freue mich auf mein altes Büro und auf den Kaffee, auf die Besprechungen zwischen Tür und Angel oder auf dem Innenhof, ich freue mich auf wöchentliche Lehrveranstaltungen mit Studierenden, die ich live und real vor mir sitzen habe, ich freue mich auf vorlesungsfreie Zeit (die es an der FernUni nicht gibt).
Dieses Jahr war ein Geschenk, aber zurückzukommen ist auch eins.
Mit den circles führt google+ ein Feature ein, das sich dadurch auszeichnet, bestimmte Informationen zielgerichtet mit bestimmten Personengruppen zu verknüpfen. Das Problem an vielen sozialen Netzwerken ist ja, dass ich zwar eine große Menge an Bekanntschaften pflege, diese aber nicht notwendigerweise miteinander zu tun haben. So dürften die ehemaligen Schulfreunde wohl kaum an den beruflichen Beiträgen interessiert sein und die Jugendlichen aus meiner Kirchengemeinde würden im “real life” vermutlich nichts mit den Studierenden aus meinen Seminaren zu tun haben. Diejenigen, die nicht in meiner Umgebung wohnen, brauchen auch nicht mitzulesen, wenn ich nach günstigen Parkplätzen in Hagen suche und alles was privat gepostet wird, geht sowieso nicht an die ganze Welt. So weit, so gut.
Um twitter brauchen wir uns in dieser Hinsicht nicht weiter kümmern, dort werden ohnehin alle Beiträge an meine Follower oder sogar komplett öffentlich gemacht. Twitter ist wie eine Bahnhofshalle – man kann durchgehen und auf das lauschen, was einem zugerufen wird, man kann reagieren, verweilen oder gehen. In twitter gibt es zwar eine Listenfunktion, aber nur, um das zu verwalten, was reinkommt, aber nicht das, was rausgeht. So kann ich zwar meine Follower in Gruppen einteilen und habe so beispielsweise alle Tweets meines Lehrstuhls auf einen Blick, aber ich kann beim Schreiben nicht einstellen, dass es nur für diese Personengruppe sichtbar sein soll. Wer mir folgt, liest meine Beiträge, wer mir nicht folgt, liest sie nicht. In twitter muss man sich die “Freundschaft” (mein Deutschlehrer hat immer gesagt, Anführungsstriche benutze man nur, wenn einem kein besseres Wort einfällt und genau so verhält es sich in diesem Fall) nicht gegenseitig bestätigen – mein Netzwerk besteht aus engen und lockeren Bindungen, die sich untereinander kennen oder auch nicht, aber die aufeinander reagieren und wieder neue Bindungen eingehen können.
Mit den circles verhält es sich gar nicht mal so verschieden: Ich lege in google+ einen circle an und alle Personen, die ich zu diesem hinzufüge, sehen dessen Inhalt. Diejenigen, die ich im Job-Circle habe, sehen die Job-Postings und die aus der Umgebung sehen alle Beiträge im locals-circle. Was ich veröffentliche, wird nur denen gezeigt, die sich im jeweiligen circle befinden, genauso wie ich selbst auch nur das von anderen sehe, was in circles gepostet wurde, zu denen ich hinzugefügt worden bin. Auch hier muss man sich nicht gegenseitig bestätigen. Wer mich in einen circle setzt, gibt mir damit seine Beiträge frei, egal, ob ich sie lesen möchte, oder nicht. Ich kann in google+ beim Schreiben auswählen, ob ich einen Inhalt komplett öffentlich mache, für alle oder eben nur für bestimmte Kreise – und ich kann meine “Freunde” zu so vielen Kreisen hinzufügen, wie ich will.
Es ist nur so: so neu ist das gar nicht. Ich nutze in facebook schon lange die Listenfunktion und damit kann ich genau das machen. Im Unterschied zu twitter und google+ setzt facebook darauf, dass beide Seiten die Freundschaft bestätigen müssen, d.h. man ist ohnehin (vielleicht auch nur gefühlt) enger vernetzt. Aber auch in facebook habe ich die Möglichkeit, meine Beiträge schon bei der Freigabe zu filtern. Ich habe “Freunde”, die nie irgendetwas von mir zu lesen bekommen und nur die Infoseite sehen, es gibt welche, die sehen nur die beruflichen Dinge und manche sehen noch mehr darüber hinaus. Ich kann auch bestimmte Personen von Beiträgen ausschließen und angeben: Diesen Beitrag sehen nur diejenigen aus der Locals-Liste, außer Person XY.
Umgekehrt kann ich diese Listen auch dazu nutzen, mir die Postings der Personen anzeigen zu lassen, die ich auf diese Listen gesetzt habe. Beispielsweise habe ich eine “wichtig”-Liste. Darin sind diejenigen, von denen ich gern und oft lese und die mich so interessieren, dass ich möglichst wenig von ihnen verpassen will. Mit einem bookmark auf die Beiträge dieser Liste kann ich das relativ komfortabel realisieren.
Zugegeben, es läuft in facebook nicht systematisch und vor allem nicht so selbsterklärend ab, wie es gerade in google+ passiert und es fordert eine gewisse Frickelarbeit, die sicherlich ein Großteil der User nicht kennt oder nicht in Angriff nehmen möchte. Genau das ist aus meiner Sicht der Knackpunkt an der Sache: Es wird so wenig genutzt! Täglich lese ich Beiträge auf facebook, zu deren Zielgruppe ich mich nicht unbedingt zugehörig fühle. Ich kenne Menschen, die facebook nicht mehr nutzen, seit sich ihr Chef dort angemeldet hat – weil sie eben nicht alles öffentlich machen wollen. Aber das müssen sie ja gar nicht.
Das soll jetzt kein überschwängliches Votum für facebook und vor allem kein globaler Vergleich mit google+ sein. Es geht mir nur darum, zu zeigen, dass das Teilen von Beiträgen mit bestimmten Zielgruppen an sich nichts ist, was die Berechtigung hat, als Novitätswelle durchs Netz zu schwappen.