So, nun schaffe ich es endlich, ein paar Zeilen zum letzten Tatort zu schreiben: Racheengel, leider der vorletzte Fall von Kain & Ehrlicher aus Leipzig.
Generell: Die Geschichte war ganz nett gemacht und z.T. auch ziemlich spannend dargestellt (Überfall in der Szene-Disco, Entschärfung der Bombe im letzten Augenblick usw). Die Story selbst fand ich ein bißchen langweilig und teilweise vorhersehbar. Dass sie es z.B. schaffen würden, die Bombe zu entschärfen, war spätestens dann klar, als Kain & Ehrlicher den Raum betraten. Es handelte sich ja immerhin erst um ihren vorletzten Fall. Schön war allerdings die herb-schroffe Art von Ehrlicher (“erst haben Sie mit dieser Frau herumgefuhrwerkt…”).
Zum Fall: Eine Frau wurde nach gemeinsamer Nacht mit einem Polizisten ermordet aufgefunden. Dieser bestreitet die Tat jedoch offenbar so glaubhaft, dass seine junge Kollegin (die heimlich in ihn verliebt ist), sich auf die Suche nach dem wahren Täter macht. Kain & Ehrlicher sind erst abweisend, nehmen die Polizistin nach ein bißchen Geziere dann doch für diesen Fall ins Team auf. Die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei der Toten um eine Schriftstellerin handelt, die unter dem Pseudonym Mimi Blaise schreibt. Da ihr Serienheld aber in einem der nächsten Bücher sterben soll, hat sie unter ihren zahlreichen AnhängerInnen nicht nur FreundInnen. Nach und nach wird deutlich, dass es sich gar nicht um die echte Schriftstellerin handelt, sondern nur um deren Assistentin (die echte Mimi Blaise taucht in der Zwischenzeit auf, will aber ihr Pseudonym nicht lüften). Das Ermittlungsteam beschließt, die Polizistin als eben jene Autorin auftreten zu lassen, was ihr aber zum Verhängnis wird, weil nun auch sie in die Schussbahn des Täters gerät, der den Mord übrigens nicht – wie anfangs angenommen – begangen hat, um den Serienhelden vor dem Tod zu retten, sondern weil er selbst die Idee zu dieser Figur hatte, bevor ihm Mimi Blaise diese geklaut hat, als sie als Verlagslektorin tätig war.
Unstimmigkeiten: Erstens: Warum haben Kain & Ehrlicher sich nicht schon beim ersten Kontakt mit dem Biographen gefragt, wie dieser bitteschön eine Biographie zu verfassen plant, wenn er die Autorin noch nicht einmal kennt? Zweitens: Wieso wusste der Dienstellenleiter der Polizeibehörde sofort, welcher Schrank dem inhaftieren Polizisten gehört hat? Da standen mindestens 20 Schränke! Drittens erschien es mir seltsam, dass der Verleger sofort die Drohbriefe parat hatte.
Zur Besetzung: Da gibt es heute niemanden besonders hervorzuheben. Die echte Mimi Blaise fand ich ganz gut besetzt.
NEU – bester Satz: wird als Kategorie ab sofort eingeführt. Besonders gefallen hat mir: “Sie ist mit seinem Dienstschlips erwürgt worden”. Die Vokabel “Dienstschlips” finde ich ganz und gar deutsch.
Zur 20.40 Uhr-Prognose: Ich denke, die 20.40 Uhr- Regel traf nicht zu, weil der echte Täter zu dieser Zeit noch nicht zu sehen war (obwohl ich gestern schon gehört habe, dass dies der Fall sein sollte). Ich bin mir nicht ganz sicher, viel später kam er jedenfalls nicht. Ich hatte zunächst auf die Polizistin getippt.
Diesem Tatort gebe ich 6 von 10 Punkten.
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Jetzt dürft Ihr!