Tatorttalk: Satisfaktion (WDR)
Da Annabell sich gerade zurecht wohl erstmal von dem Stress mit der Dissertation erholt, übernehme ich (Jens vom Pottblog) die Blogvertretung für den aktuellen Tatorttalk, da ich diese Rubrik sehr gerne mag. Am liebsten hätte ich das auch schon letzte Woche gemacht, aber den Tatort habe ich leider nicht sehen können.
Anders jedoch der aktuelle Tatort mit der Folge Satisfaktion, die ins beschauliche Münster führt. In Münster ermitteln bekanntlich Kommissar Thiel (Axel Prahl) und der Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan-Josef Liefers) für den WDR-Tatort und ich muss gestehen, dass mir die Münster-Tatorte mit am besten gefallen.
Generell: Düsterer Münster-Tatort im Milieu der studentischen Verbindungen, der diesmal auch einiges Konfliktpotential innerhalb des ermittelnden Duos zeigte. Einige Dinge sind zwar vorhersehbar gewesen – am Ende war ich dann aber doch etwas überrascht – Stichwort u.a. dafür: “quot erat demonstrandum”…
Zum Fall: Eine zehn Jahre alte Leiche wird zufällig gefunden, deren Ableben etwas vorzeitig stattfand. Schnell finden Thiel und Boerne heraus, dass es sich um den seit zehn Jahren verschollenen Raimund Stielicke handelt, einem Corps-Studenten, der seit einer Italien-Reise vermisst wird.
Die Ermittlungen Thiels in der Familie Stielicke sind nicht gerade erfolgreich was natürlich Thiel erst recht merkwürdig vorkommt. Auch das ganze Gerede von Verbindungen, Mensuren usw. ist nicht die Welt von Thiel, dafür jedoch von Prof. Stielicke, dem Vater des Verstorbenen, den die ganze Sache kalt lässt. Während Thiel immer weiter ermittelt und dabei mehr als einmal seinen akut erkrankten Vater im Krankenhaus aufsuchen muss, lässt Boerne alte Traditionen und Verbindungen wieder aufleben und verheimlicht dem Kommissar etwas.
Das ganze führt dazu, dass die beiden sich sogar richtig verkrachen und eher getrennte Wege gehen.
Unstimmigkeiten: Ein paar Dinge sind mir merkwürdig aufgefallen:
- Warum verheimlicht Boerne diverse Dinge? Für die Geschichte ist es natürlich notwendig, aber irgendwie passt das nicht zum Boerne, wie ich ihn mir bisher vorstellte.
- Das Haus der Stielickes: Warum sah das (vom Eingangsbereich) wie ein Gefängnis aus?
- Wieso konnte das Foto aus dem Spind einer beteiligten Person (man will ja nicht zuviel verraten) nicht als Beweismittel gelten? Diese Person hatte doch “aktenkundig” (bzw. auf Tonband) quasi indirekt die Zustimmung gegeben.
- Kann man, wenn man sein zweites juristisches Staatsexamen nur mit “Ach und Krach” besteht so einfach Staatsanwalt werden?
Zur Besetzung: Sowohl Prahl als auch Liefers waren wieder gut in ihren Rollen. Auch die Nebendarsteller (die Staatsanwältin, “Alberich”, Thiels Vater) waren gut wie immer. Am besten hat mir jedoch Michael Degen in der Rolle des Prof. Dr. Stielicke gefallen.
Bester Satz: “Bist wohl nicht Manns genug dazu. Bin ich übrigens auch nicht. Prost.”
Zur 20.40 Uhr-Prognose: Auch wenn es nicht 20.40 Uhr war (ich habe den Tatort zeitversetzt, dank meines T-Home Entertain STB X300T (einem Media-Receiver für Fernsehen via Internet), gesehen), so dachte ich doch zur “gefühlten Uhrzeit von 20.40 Uhr” an den unnahbaren Prof. Dr. Stielicke. Ich dachte mir aber auch gleich, dass das eher unwahrscheinlich ist, da es zu wahrscheinlich war. Doch irgendwie kommt nachher doch alles anders als gedacht.
Insgesamt gesehen fand ich diesen Tatort sehr gelungen, vor allem auch wegen der Spannungen zwischen Boerne und Thiel.
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