Mit einem Tag Verspätung kommt hier nun endlich die Bewertung des Münchener Tatorts von Sonntag.
Generell: Abgesehen davon, dass ich Carlo noch immer vermisse und auf die seltsame Frau Jung auch hätte verzichten können, fand ich diese Folge aus München eigentlich ganz gut. Ein heikles Thema, was erst nur leicht angeschnitten wird, dann aber immer weitere Kreise zieht, bis am Ende ein richtiger Skandal daraus wird. Die Dramaturgie hat mir also gut gefallen und auch die Kommissare machten diesmal einen solideren Eindruck – nicht mehr so viel gegenseitige Schikanen und Frotzeleien, sondern ernsthafte Arbeit am Fall. Gut fand ich auch, dass diesmal wirkliche Ermittlungsarbeit im Vordergrund stand und der Täter/ die Täterin nicht – wie schon so oft – en passant ins Bild kam, obwohl der Tod in diesem Fall nicht unmittelbar mit dem Skandal im Zusammenhang stand.
Zum Fall: Familie Hübner hat neben zwei eigenen Kindern ein leukämiekrankes Pflegekind aus Kabul bei sich aufgenommen. Dafür bekommen sie – finanziert durch die kliniknahe Stiftung – etwa 3000 EUR im Monat. Dafür verpflichten sie sich, die kleine Shalima einer exklusiven Krebstherapie in eben jener Klinik zu unterziehen. Dort wird gerade an einem neuen Medikament gearbeitet, das in wenigen Tagen vorgestellt werden soll. Dann wird jedoch der Pflegevater Werner Hübner tot am Flussufer gefunden – ermordet. Zunächst kann kein Motiv ausgemacht werden. Dann stellt sich jedoch heraus, dass Herr Hübner den leitenden Ärzten gegenüber sehr aggressiv aufgetreten war und vermuten eine Affaire von Frau Hübner mit Eugen Otto, einem Mitarbeiter der Klinik, der auch am Tatort gesehen wurde. Doch die Aufzeichnungen aus Shalimas Krankentagebuch führen die Ermittler endlich auf die richtige Spur und decken auf, dass die leitenden Ärzte die Kinder absichtlich infinziert hatten und Hübner das gewusst haben muss.
Unstimmigkeiten:
- Woher kam denn plötzlich der Hacker, der den Kommissaren und der Genetikerin alle Türen und Systeme geöffnet hat?
- Warum hat man die Aussage der Genetikerin augenblicklich für richtig gehalten? Hätte nicht auch sie lügen können, um ihre eigene Forschung voranzubringen? Hätte das nicht überprüft werden müssen?
- Warum hat man das Krankentagebuch nicht eher untersucht – oder zumindest extern analysieren lassen, wenn Shalima schon so ein Geheimnis darum gemacht hat?
Besetzung: Stephanie Japp als Frau Hübner fand ich sehr gut. Ohnehin hat der BR bei der Besetzung auf “Stars” gesetzt, Joachim Król, Hanns Zischler und Johann von Bülow sind ja nicht unbekannt.
Doppelbesetzungen:
Johann von Bülow, Martin Rapold, Hans-Michael Rehberg, Hanns Zischler, Joachim Król, Stephan Bissmeier, Brigitte Hobmeier, Patrizia Schwöbel, Stefan Merki und Marianne Lindner waren schon in anderen Tatort-Produktionen zu sehen. Ist das nicht ein bißchen unglaubwürdig?
Zur 20.40 Uhr-Prognose: Um 20.40 Uhr war die Täterin in der Tat relativ unscheinbar. Ich habe sie trotzdem nicht richtig zugeordnet.
Zusammenfassend gebe ich 7 Punkte.
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Ihr seid dran!