Tatorttalk: Mit ruhiger Hand (WDR)
Damit habt Ihr bestimmt nicht gerechnet: Dass ich diesen Text nach einer Woche Rückstand noch nachliefere. Letzten Sonntag war ich zur Tatort-Zeit nicht zu Hause, so dass ich die Sendezeit des gestrigen Polizeirufs genutzt habe, um mir meine Tatort-Aufnahme anzusehen. Man kommt ja zu nichts. Den Polizeiruf wiederum habe ich ebenfalls aufgenommen. Nächste Woche bin ich auch nicht da, so dass es erneut zu Verzögerungen kommen kann, es sei denn, ich finde eine Vertretung (bitte melden). So, nun aber los:
Generell: Ich fand diese Folge recht düster. Vielleicht lag es auch an den dunklen Bildern, die stellenweise übrigens sehr gut fotografiert waren – Lydia vor der petrolfarbenen Wand zum Beispiel, aber die eine recht beklemmende Grundstimmung vermittelten. Sollte ich die Folge in zwei Worten zusammenfassen, würde ich sie “Alkoholsucht und Ärztepfusch” nennen. Ich führe das mal als Kategorie ein, hilft beim Wiederfinden alter Folgen. Ballauf und Schenk ein gewohntes Team, obwohl es diesmal auch nicht dauerhaft harmonisch zuging. Ballauf wird ein einsamkeitsbedingtes Alkoholproblem unterstellt, wobei ersteres zutraf, zweiteres sicher nicht. Wir dürfen auf die weiteren Entwicklungen mit Lydia gespannt sein, so wie ich das auch in Bezug auf das Kieler Team immer bin.
Zum Fall: Einbruch und Mord beim Ehepaar Gann (der Name weckte bei mir permanente Assoziationen zu Angus Gunn vom Phantomsee, eine äußerst alte Erinnerung). Prof. Gann, Leiter einer chirugischen Klinik, kommt mit dem Leben davon, aber seine Frau, Dr. Gann, stirbt. Auch sie hatte als Ärztin gearbeitet und sich dabei um medizinisch schlecht versorgte illegale Einwanderer gekümmert. Ins Blickfeld der Ermittlungen gerät zunächst der Sohn der Familie, der – überraschend aus dem Internat zurückgekehrt – zur Tatzeit einen Rausch in seinem Zimmer ausschlief. Wenig später kommt jedoch auch eine andere delikate Affaire ans Licht: Gann soll unter Einfluss von Alkohol operiert haben, mit tödlichen Folgen der Patientin. Und ausgerechnet seine Frau war an der Aufklärung beteiligt. Nach einen weiteren Verstrickungen und Verdächtigen wird der Täter am Ende gefasst.
Unstimmigkeiten: Es gab nichts, das ich absolut unstimmig fand, habe mich nur über zwei Kleinigkeiten gewundert: Erstens kannte Gann den direkten Weg ins Büro der Kommissare. Zweitens – und das ist superpingelig, ich weiß – habe ich es bei diversen eigenen Umzügen und Hilfe bei Umzügen von Freundinnen nie gesehen, dass jemand den Inhalt der Kartons auf die Außenseite schreibt, sondern immer auf den Deckel.
Zur Besetzung: Hui, mal wieder Juliane Köhler im Tatort. Die mag ich ja, weil sie so wandlungsfähig ist. Trootzdem kann niemand so überrascht gucken, wie Tessa Mittelstaedt (außer Doris Day vielleicht). Vincent Redetzki hat mir auch gefallen.
Doppelbesetzungen: Roeland Wiesnekker, Juliane Köhler, Maria Simon, Bernhard Schütz, Fabian Hinrichs, Marco Hofschneider, Andreas Laurenz Maier und Helga Bellinghaus waren schon in Tatorten zu sehen.
Bester Satz: “Du bist der spontane Typ, ich der Intellektuelle.”
Zur 20.40 Uhr-Prognose: Ich hatte um 20.40 Uhrauf die OP-Schwester getippt. Dennoch war Gann eigentlich naheliegender.
Neu! In zwei Worten: Alkoholsucht und Ärztepfusch
Solider Tatort in gewohnter Manier, der 7 Punkte verdient hat.
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Gibt es noch Anmerkungen oder war die Woche zu lang?







