Konferenzzwitschern
Jetzt bin ich schon fast eine Woche wieder zurück aus Berlin und hatte Gelegenheit, mir die vielfältigen Reaktionen auf die E-Learning 2009-Tagung in diversen Blogs anzusehen und auch meine eigenen Eindrücke etwas zu sammeln. Ehrlich gesagt, durch die Jurytätigkeit für den Medidaprix habe ich nicht so viel von den Vorträgen mitbekommen, weil ich fast in Gänze dort eingebunden war. Dennoch gab es schöne Flur- und Pausengespräche und nach der Preisverleihung auch etwas mehr Zeit zur Kontaktpflege.
Die Arbeit in der Jury habe ich als sehr konstruktiv empfunden, wenngleich es doch sehr anstrengend war und noch am Ende des Tages volle Aufmerksamkeit gefordert hat.
Was mir aber ebenfalls in besonderer Weise aufgefallen ist, war der hohe Anteil von Twitter an der Kommunikation. In den Blogs von Michael Kerres, Gabi Reinmann, Joachim Wedekind, Mandy Schiefner und Britta Voß gibt es bereits verschiedene Statements dazu, denen ich jetzt noch meine Sichtweise hinzufüge.
Grundsätzlich finde ich die Idee gut, aus einer Tagung heraus zu twittern. Es gibt tatsächlich ein Stimmungsbild wieder, man erhält aktuelle Infos, man kann sich in irgendeiner Form beteiligen, es macht Spaß. Ich habe Menschen getroffen, die ich (fast) nur über twitter oder facebook kannte und ich muss sagen: Es war einfacher, ein Gespräch in Gang zu bringen, man war sich direkt in gewisser Weise vertraut.
Worin ich aber meinen “VorrednerInnen” Recht gebe: Ich sehe auch die Gefahr, die Netiquette ein wenig zu vergessen.
“Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass man in 140 Zeiten Referenten oder Themen schnell bewertet oder (ver)urteilt, ohne bewusst darüber zu reflektieren. Man muss sich bewusst sein, dass dieses Urteil dann für “immer und ewig” im Netz ist” (Mandy Schiefner).
Britta Voß geht noch einen Schritt weiter und schreibt:
“Man stelle es sich vor: Ich stehe vor einem Plenum und halte einen Vortrag, einige Teilnehmenden zeigen durch Gespräche untereinander, dass sie offensichtlich nicht mit dem Gesagten einverstanden sind – ich kann reagieren. Anders bei Twitter: vom Referierenden unbemerkt, zwitschert die Kritik aus dem Vortragssaal in die Welt hinaus, zum Teil sozial ungefiltert. Für mich ist dies kein angemessener Umgang mit Referenten (egal welcher Qualität der Beitrag ist), ich bin hier für eine Rückbesinnung auf die gute alte Netiquette!”
Vor ein paar Tagen habe ich erst einen Pressebericht gelesen, in dem dargestellt wurde, dass Überkommunikation das Gehirn gleichgültig mache. Es fehle einfach die Zeit, Gefühle anderer Menschen zu reflektieren. Als generelles Statement möchte ich das nicht unterstreichen, aber ich glaube schon, dass ein diskreditierender Satz doch eher mal schnell als tweet abgeschickt als ausgesprochen wird – vielleicht höchstens zu meiner Sitznachbarin, aber nicht in die Öffentlichkeit. Insofern bin ich nicht dafür, twitter aus Tagungen herauszuhalten sondern einen anderen Umgang damit zu ermöglichen, der eher auf reflexive Aspekte setzt – beispielsweise, wenn es die Möglichkeit gäbe, Fragen aus twitter direkt an das Podium zu stellen, wie auch Joachim Wedekind vorschlägt.
Ich selbst habe von der Tagung nur sehr wenig getwittert, neben einem “so, frisch und fröhlich nun schnell frühstücken und dann die Messestände der Finalisten anschauen” ein erleichertes “Es ist entschieden. #jury #medida09 #bel09″. Endlich eine Möglichkeit, aus dem Jury-Sitzungsraum Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Und Antworten hab ich auch bekommen









