‘Um jeden Preis’ heißt die neue Folge aus München, die gestern im Ersten zu sehen war.
Generell: Ehrlich gesagt, diese Folge hat mich nicht vom Hocker gerissen. Das Thema hatten wir in der ein oder anderen Ausprägung schon öfter mal und richtige Spannung kam auch nicht rüber. Der Clou am Ende, dass sich Greedinger doch selbst in die Brust geschossen hat, war dramaturgisch ganz nett, aber es gab keine herausragenden Charaktere. Wie schreibt Katharina Gamer im Tatort-Fundus so schön:
“Die Spannung des Krimis hätte aus dem Konfliktpotential der Rolle des Gewerkschaftsführers entwickelt werden müssen. Doch dieser hadert weder mit seinem Gewissen oder seinen eigenen Ansprüchen noch mit seiner Freundschaft zu Ivo und der Beziehung zu seinem Vater oder gar seiner eigenen Schuld … und am allerwenigsten mit sich selbst!”
Das moralische Ringen mit sich selbst wurde bestenfalls von Ivo Batic ausgetragen – aber auch das nicht mit aller Konsequenz.
Zum Fall: Zunächst deutet alles auf Selbstmord des bekannten Münchner Journalisten Rainer Truss hin. Als dann aber direkt zu Beginn der Ermittlungen der Fall eingestellt wird, vermuten Batic und Leitmayr erst recht brisante Zusammenhänge. Die Motivlage bleibt weiterhin unklar: Konnte er gerade an Recherchen gearbeitet haben, die ihn zum Selbstmord genötigt haben? Hatte er ein gebrochenes Herz? Immerhin stellt sich bald heraus, dass er verliebt gewesen war – ausgerechnet in den verheirateten Greedinger, der mit aller Macht an die Spitze der Gewerkschaft gewählt werden wollte und der in seiner Funktion als Aufsichtsrat einen wichtigen Vertrag für Asiengeschäfte abwickeln sollte, was wiederum Truss in Konflikt gebracht hatte. Dazu kommen die Zweifel Batics, der seit seiner Kindheit mit Greedinger befreundet ist. Am Ende war es doch alles und nichts.
Unstimmigkeiten: Viele Unstimmigkeiten heute, z.B.: Lässt man einen Windows-Rechner tatsächlich einfach so hochgefahren herumstehen, wenn man als Journalist möglicherweise brisante Daten hat?
Was für einen Sinn ergibt die Forderung Greedingers, den Fall bei Selbstmord zu belassen, im Nachhinein? Wie kam Greedinger an die Waffe von Truss’ Schwester, wenn sie nicht weiß, wer geschossen hat?
Zur Besetzung: Tanja Schleiff als die Schwester von Truss mochte ich in ihrer Rolle. Und Leonardo Nigro als Luca Panini war ja irgendwie auch eine Bereicherung!
Doppelbesetzungen: Thomas Sarbacher (der sitzt ja gerade erst eine Woche als Nick im Gefängnis), Fred Stillkrauth war sogar schon in diversen Münchner Produktionen zu sehen, Bettina Redlich ebenfalls. Tanja Schleiff, Alexander Duda, Petra Berndt, Christian Goebel (spielt im Tatort gerne Doktoren), Claudia Lössl, Nikolaus Benda, Hannes Hellmann und Petra Einhoff waren auch bereits zu sehen.
Bester Satz: “Ah, Luca Toni!!”
Musik: Ist mir nicht weiter aufgefallen.
In zwei Worten: Gewerkschaften und Journalismus
Zur 20.40 Uhr-Prognose: Die 20.40 Uhr-Regel kam diesmal ja nicht in Frage.
Heute reicht es nur für 4 Punkte.
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Und sonst? Bei der Frage: “Sollen wir uns mal im Café treffen?” stand in den Untertiteln: “Sollen wir uns mal im Kaffee treffen?” Die Vorstellung hat mir Spaß gemacht.