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weblog von annabell preußler

Wissenslücke Nr. 57: Männerstimmen

Filed under: Wissenslücken — Annabell um 10:03 am am 11.03.2010

In jedem noch so zufällig zusammengewürfelten Chor sind mir Frauen begegnet, die die Tenor- oder sogar die Bassstimme mitsangen. Allerdings habe ich es noch nie erlebt (außer in reinen Männerchören), dass Männer mal im Alt oder sogar im Sopran mitgesungen haben. Ich frage mich nun, warum dies so ist. Im Netz habe ich ein paar Artikel zu Countertenören gefunden, dort heißt es:

Die Entscheidung ein Countertenor zu werden ist normalerweise eine bewusste Entscheidung. Der Sänger hat die Wahl mit seiner vollen Stimme mit dem typisch männlichen Klang als Tenor, Bariton oder Bass zu singen oder mit dem gestützten und gestärkten Falsett-Mechanismus zu singen (sehr selten wenn überhaupt gibt es auch Countertenöre, die nicht das Falsett benutzen). Manche nennen das »reine Kopfstimme«. Das gestützte Falsett ist das, was die meisten als »weiblichen Klang« wahrnehmen: Alt, Mezzo oder Sopran. Die meisten Counter können die Alt- und Mezzolage leicht singen. Jedoch strapazieren viele ihre Stimme beim Versuch in der Sopranlage zu singen. Das soll aber nicht heißen, dass es niemanden gibt, der in der Sopranlage singen kann.
Quelle: Jones, David L. (2000). Der Countertenor, Stimmliche Probleme und Lösungen. Hier abrufbar.

Mir ist dazu ein Beitrag von Angelika Wetterer eingefallen, die am Beispiel der Vergeschlechtlichung der Berufsarbeit festgestellt hat,

dass der Nachweis, “Männliches” zu tun oder entsprechend zu wirken, für Männer dringlicher ist, als für Frauen, “Weibliches” zu tun oder “weiblich zu wirken”. Denn wenn das Geschlecht nicht “erkannt” wird, kann das für Männer nur Statusverlust, für Frauen eher Statusgewinn zur Folge haben – so “dürfen” Frauen zwar Hosen, aber Männer keine Röcke tragen.
(vgl. Wetterer, Angelika (1995). Die soziale Konstruktion von Geschlecht in Professionalisierungsprozessen. Frankfurt/M.)

Die Frage ist nun: Ist es ein biologisches oder wirklich ein soziales  bzw. soziologisches Phänomen, dass die Männer eher bei den typischen Stimmlagen bleiben? Oder sind meine Beobachtungen gar falsch und es gibt mehr Countertenöre als ich dachte?

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3 Kommentare »

Kommentar by Tanja Adamus

13. März 2010 @ 13:37

Ich kann zwar nichts zu den Sängern sagen, muss Frau Wetterer (die ich sonst durchaus schätze) aber in der Sache mit den Röcken widersprechen. In verschiedenen Kulturen ist dies durchaus nicht unüblich, siehe etwa die Kilts bei den Schotten oder die recht verbreitete Mode der Männer-Röcke in der Gothic-Szene.
Das musste mal gesagt werden. :-)

Kommentar by Gisela Farenholtz

29. März 2010 @ 09:58

In tieferen Stimmlagen zu singen, erfordert deutlich weniger Energie als in höheren. Die tiefen Lagen sind von der Sprechstimme her vertraut. Für eine Frauenstimme ist es bedeutend einfacher, tief zu singen als für einen Mann, im (gestützten) Falsett zu singen. Je ungeübter der Sänger oder die Sängerin, desto eher singt er oder sie in einer tiefen Lage in der Nähe der Sprechstimme.

Kommentar by Annabell

29. März 2010 @ 10:01

Vielen Dank! Die Erklärung leuchtet ein.

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